Warum Tarot und Astrologie zusammengehören
Die Verbindung zwischen Tarot und Astrologie ist keine uralte Volksweisheit, sondern wurde weitgehend bewusst konstruiert. Im späten neunzehnten Jahrhundert entwickelte der Hermetic Order of the Golden Dawn ein vollständiges System von Entsprechungen und ordnete jeder Tarotkarte einen Planeten, ein Sternzeichen oder ein Element zu. Arthur Edward Waite und die Künstlerin Pamela Colman Smith, beide Mitglieder des Golden Dawn, ließen viele dieser Ideen in das Rider-Waite-Smith-Deck einfließen, mit dem die meisten Legenden heute arbeiten.
Die Logik dahinter ist symbolisch, nicht vorhersagend. Beide Systeme versuchen, dasselbe menschliche Gebiet zu kartieren – Temperament, Zeitqualität, Spannung und Lösung –, nur mit unterschiedlichen Alphabeten. Die Astrologie spricht in Zyklen und Jahreszeiten, das Tarot in Bildern und Geschichten.
Wer die Golden-Dawn-Entsprechungen kennt, lässt beide Systeme einander verstärken. Wenn eine Karte und ein Transit in dieselbe Richtung deuten, wirkt die Botschaft wie unterstrichen. Das ist ein Werkzeug zur Reflexion und für Einsichten, kein festgeschriebenes Schicksal – verstehe es als einen reicheren Wortschatz für die Fragen, die du ohnehin schon stellst.
Die vier Elemente und die Farben
Die deutlichste Brücke zwischen Tarot und Astrologie sind die vier klassischen Elemente, die beide Systeme teilen. In der Kleinen Arkana des RWS trägt jede Farbe ein elementares Temperament, das die Tierkreiszeichen derselben Familie widerspiegelt.
- Stäbe – Feuer (Widder, Löwe, Schütze): Antrieb, Leidenschaft, Kreativität und Wille.
- Kelche – Wasser (Krebs, Skorpion, Fische): Gefühl, Intuition, Liebe und das innere Leben.
- Schwerter – Luft (Zwillinge, Waage, Wassermann): Gedanken, Konflikt, Kommunikation und Klarheit.
- Münzen – Erde (Stier, Jungfrau, Steinbock): Geld, Körper, Arbeit und die materielle Welt.
Diese Tarot-Elemente geben einer Legung ihr Wetter, noch bevor du eine einzige Zahl deutest. Eine Legung voller Kelche verläuft emotional, eine von Schwertern beherrschte kündigt einen geistigen Sturm an. Zu erkennen, welches Element überwiegt – oder fehlt –, ist einer der schnellsten Wege, die Grundstimmung einer Frage zu erfassen.
Die Große Arkana mit Planeten und Sternzeichen
Die zweiundzwanzig Karten der Großen Arkana tragen die markantesten astrologischen Zuordnungen. Zwölf Karten sind mit den Tierkreiszeichen verknüpft, sieben mit den klassischen Planeten und drei mit Elementen – ein sauberes Abbild des Himmels.
Die zwölf Tierkreiskarten verlaufen der Reihe nach: Der Herrscher (Widder), Der Hierophant (Stier), Die Liebenden (Zwillinge), Der Wagen (Krebs), Die Kraft (Löwe), Der Eremit (Jungfrau), Die Gerechtigkeit (Waage), Der Tod (Skorpion), Die Mäßigkeit (Schütze), Der Teufel (Steinbock), Der Stern (Wassermann) und Der Mond (Fische).
Zu den Planetenkarten zählen Der Magier (Merkur), Die Hohepriesterin (Mond), Die Herrscherin (Venus), Das Rad des Schicksals (Jupiter), Der Turm (Mars), Die Sonne (Sonne) und Das Gericht (Pluto/Feuer). Der Narr (Luft/Uranus), Der Gehängte (Wasser/Neptun) und Die Welt (Saturn) runden das Bild ab.
Das ist das Herzstück von Tarot und Astrologie für alle, die sich mit Tarot-Astrologie befassen: Wenn der Turm neben einem Mars-Transit fällt, ist seine umstürzende Ladung kaum zu übersehen.
Hofkarten und Tierkreiszeichen
Bei den sechzehn Hofkarten geraten viele Legende ins Stocken, und genau hier bietet die Astrologie echten Halt. Im System des Golden Dawn entsprechen zwölf von ihnen den zwölf Tierkreiszeichen, wobei jede das Element ihrer Farbe durch ein bestimmtes Zeichen trägt.
Königinnen, Ritter und Könige nehmen je ein Zeichen pro Element ein. Die Königin der Stäbe trägt etwa die Energie an der Schwelle von Widder zu Fischen, der König der Kelche hält das Wasser zwischen Wassermann und Fischen, und der Ritter der Schwerter stürmt mit der Luft zwischen Stier und Zwillingen voran. Das Muster greift bewusst über benachbarte Zeichen hinweg und spiegelt so die gemischte Natur der Persönlichkeit.
Die Buben (oder Prinzessinnen) gelten als rein elementar und sind nicht an ein einzelnes Zeichen gebunden, sondern stehen für die rohe, erdhafte Wurzel jeder Farbe.
In der Praxis kann eine Hofkarte also auf eine Person verweisen – oft beschrieben über ihr Sonnenzeichen oder Temperament – oder auf eine Facette des Fragenden selbst. Durch die Brille des Tarot-Tierkreises gelesen, werden aus vagen Vermutungen wie „jemand kommt auf dich zu“ greifbare, wiedererkennbare Charakterskizzen.
Dekane und die Kleine Arkana
Die Dekane sind das Kleingedruckte der Astrologie, und sie erschließen die nummerierten Karten der Kleinen Arkana. Jedes Tierkreiszeichen wird in drei Abschnitte von je zehn Grad geteilt, die Dekane genannt werden – insgesamt sechsunddreißig, also genau die Zahl der Karten von der Zwei bis zur Zehn.
Der Golden Dawn ordnete jeder dieser sechsunddreißig Karten einen Dekan zu und legte damit einen Planeten über ein Zeichen. Die Fünf der Münzen etwa steht für Merkur im Stier – praktisches Denken unter materieller Belastung. Die Zehn der Kelche ist Mars in den Fischen, der energetische Höhepunkt emotionaler Erfüllung.
- Die Dreien, Vieren und so weiter sitzen jeweils in einem genauen Feld aus Planet im Zeichen.
- Die Asse stehen für sich und verkörpern das reine Element und die Wurzel der Farbe.
Du musst nicht alle sechsunddreißig auswendig kennen, um davon zu profitieren. Schon das Wissen, dass die Neun der Schwerter Mars in den Zwillingen ist – ängstliche Gedanken, hart angetrieben –, verleiht Tiefe. Für alle, die Tarot-Legungen und die Struktur der Dekane gemeinsam lernen, greifen hier beide Systeme präzise ineinander.
Mit Astrologie eine Legung vertiefen
Die Astrologie verwandelt eine Tarotlegung von einer Momentaufnahme in eine Geschichte mit Zeitgefühl. Sobald du die Entsprechungen kennst, kannst du genauere Fragen stellen und Muster bemerken, die eine rein bildhafte Deutung übersehen würde.
Fang einfach an. Wirf einen Blick auf die Elementebalance: Welche Farbe überwiegt, welche fehlt? Suche dann nach Resonanz mit dem Horoskop des Fragenden – taucht die Karte seines Sonnenzeichens auf, markiert das die Angelegenheit oft als persönlich und zentral. Über die Planeten- und Dekanbezüge lässt sich auch ein Gespür für die Zeitqualität entwickeln: Karten, die an schnelle Planeten wie Merkur oder Mars gebunden sind, deuten auf rasch laufende Dinge hin; Karten mit Saturn-Bezug (Die Welt, die Dreien der erdhaften Dekane) sprechen für langsamen, strukturellen Wandel.
- Achte auf das vorherrschende Element für die Gesamtstimmung.
- Halte Ausschau nach der Zeichenkarte des Fragenden.
- Nutze die Geschwindigkeit der Planeten als losen Hinweis auf den Zeitrahmen, nie als feste Frist.
Trage all das mit leichter Hand. Diese Praxis dient der Reflexion und Selbsterkenntnis im Sinne der Tarot-Astrologie – sie bietet Perspektive, keine Gewissheit, und ersetzt niemals ärztlichen, juristischen oder finanziellen Rat. Der Himmel beschreibt die Jahreszeit; wie du säst, entscheidest immer noch du selbst.