Rider-Waite-Smith – und warum Einsteiger hier beginnen
Wenn man sich Tarot vorstellt, denkt man meist an das Rider-Waite-Smith-Deck. Erstmals 1909 veröffentlicht, wurde es von Pamela Colman Smith unter der Leitung von Arthur Edward Waite illustriert, und seine 78 Karten haben seither nahezu jedes moderne Deck geprägt.
Der Grund, warum Einsteiger zum Rider-Waite-Smith geführt werden, ist einfach: Jede Karte zeigt eine vollständige Szene. Selbst die nummerierten „Pip"-Karten wie die Fünf der Kelche oder die Zehn der Stäbe bilden Menschen und Situationen ab statt bloßer Symbole. Diese Bildsprache übernimmt einen Großteil der Lernarbeit für dich und gibt deiner Intuition etwas Greifbares an die Hand.
Weil das RWS so weit verbreitet ist, bauen fast alle Lehrbücher, Kurse und Online-Ressourcen auf seiner Symbolik auf. Wer damit lernt, spricht dieselbe Sprache wie die gesamte Tarot-Welt. Später kannst du dich jederzeit anderen Decks zuwenden – doch hier zu starten, gibt dir den sichersten Stand.
So findest du ein Deck, das zu dir passt
Es gibt nicht das eine „beste" Deck, sondern nur jenes, nach dem du tatsächlich gerne greifst. Bei der Auswahl eines Tarot-Decks zählen drei praktische Dinge: die Illustrationen, das Kartenformat und die Frage, ob die Bilder der RWS-Struktur folgen, die du gerade lernst.
Achte auf ein Deck, dessen Motive dich wirklich ansprechen. Du wirst Stunden mit diesen Bildern verbringen, daher macht ein Stil, den du schön oder vertraut findest, das Lernen zur Freude statt zur Pflicht. Als bestes Tarot-Deck für Einsteiger beginnen viele schlicht mit einer klassischen RWS-Ausgabe oder einer originalgetreuen Variante, weil die Bedeutungen zu jeder Einsteiger-Ressource passen.
Ein paar Tipps:
- Das Kartenformat zählt, wenn du kleinere Hände hast – übergroße Decks lassen sich schwer mischen.
- Ränder und Beschriftungen helfen Anfängern; benannte Karten beschleunigen das Lernen.
- Vertraue deinem Bauchgefühl. Das Deck, zu dem du immer wieder zurückkehrst, ist meist das richtige.
Eine Verbindung zum neuen Deck aufbauen
Beim Verbinden geht es weniger um rituelle Magie als um Vertrautheit. Genau die unverkrampfte Zeit mit deinen Karten verwandelt einen Stapel Karton in ein Werkzeug, das du flüssig und sicher legst.
Geh zu Beginn alle 78 Karten der Reihe nach durch, mit der Bildseite nach oben. Nimm die Farben wahr, die wiederkehrenden Symbole, die Stimmungen. Viele legen ihr Deck für ein, zwei Nächte neben sich – nicht, weil es nötig wäre, sondern weil es die Absicht signalisiert, zur Ruhe zu kommen und genau hinzusehen.
Ein sanfter Einstieg:
- Zieh jeden Morgen eine Karte und betrachte sie einfach, ganz ohne Frage.
- Führe ein kleines Tagebuch mit ersten Eindrücken, bevor du in einem Buch nachschlägst.
- Nimm die Karten oft in die Hand und mische sie, damit sie weicher werden und sich nach dir anfühlen.
Es gibt keinen falschen Weg, eine Verbindung aufzubauen. Sie wächst ganz natürlich aus ehrlicher, regelmäßiger Aufmerksamkeit – nicht aus einer einzelnen Zeremonie.
Reinigungsmethoden (und ob du sie brauchst)
Seien wir gleich ehrlich: Das Reinigen von Tarotkarten ist eine persönliche Praxis, kein Muss. Karten saugen keine Energie auf, die buchstäblich weggeschrubbt werden müsste. Viele erfahrene Kartenlegerinnen und -leger reinigen ihr Deck dennoch, weil die Handlung hilft, den Fokus neu zu setzen und mit klarem Kopf in eine neue Legung zu gehen.
Wenn du es ausprobieren möchtest, gehören zu den sanften, gängigen Methoden:
- Klopfen – einmal kräftig auf das Deck klopfen, um die letzte Legung zu „löschen".
- Neu ordnen – die Karten zurück in ihre ursprüngliche Reihenfolge bringen.
- Lüften – sie kurz dem Mondlicht oder frischer Luft aussetzen.
- Ruhen lassen – über Nacht einen Bergkristall obenauf legen.
Ein kurzer Hinweis zum Tarot-Deck reinigen mit Rauch: Karten durch Räucherwerk oder Salbeirauch zu ziehen ist beliebt, doch tu es sparsam, denn Rauch und Feuchtigkeit können den Karton fleckig machen oder verziehen. Betrachte das Reinigen als beruhigendes Ritual für *dich*, nicht als etwas, das die Karten verlangen. Wenn es deine Praxis erdet, nutze es; fühlt es sich leer an, lass es ohne schlechtes Gewissen weg.
Deine Karten aufbewahren und schützen
Dein Deck ist ein Gebrauchsgegenstand, und ein wenig Pflege hält es über Jahre hinweg gut lesbar. Die Hauptfeinde sind einfach: Feuchtigkeit, Sonnenlicht und grober Umgang. Schütze deine Karten davor, und sie bleiben in gutem Zustand.
Die meisten bewahren ihr Deck in einem Beutel, einer Schachtel oder einem Holzkästchen auf. Ein Stoffsäckchen mit Kordelzug ist günstig und gut für unterwegs, eine passgenaue Schachtel bietet zu Hause festeren Schutz. Was auch immer du wählst: Lagere die Karten trocken und vor direkter Sonne geschützt, da Hitze und Licht die Farben mit der Zeit ausbleichen lassen.
Ein paar Gewohnheiten helfen:
- Wasch und trockne dir die Hände vor dem Legen, um fettige Fingerabdrücke zu vermeiden.
- Halte Essen und Getränke gut von deinem Legeplatz fern.
- Nutze ein sauberes Tuch als Unterlage, um die Kanten zu schonen.
Wenn eine Karte irgendwann knickt oder reißt, ist es völlig in Ordnung, das ganze Deck zu ersetzen. Ein abgenutztes Deck schwächt deine Legungen nicht – klare Aufmerksamkeit ist es, die zählt.
Mythen rund um Tarot-Decks
Erstaunlich viel Tarot-Folklore wird weitergegeben, als wäre es Gesetz. Das meiste davon ist harmlose Tradition, doch als Einsteiger hilft es, zu wissen, was Brauch und was Tatsache ist – damit du mit Zuversicht statt mit Bangen legst.
Der hartnäckigste Mythos lautet, dass dir dein erstes Deck geschenkt werden müsse. Eine reizvolle Vorstellung, doch es gibt keine Regel, die gegen den eigenen Kauf spricht. Das Deck zu kaufen, das du liebst, ist oft der bessere Start, weil du Bilder gewählt hast, die dich wirklich ansprechen.
Weitere Mythen, die man getrost beiseitelegen darf:
- „Niemand sonst darf deine Karten berühren." Das Teilen ist eine Vorliebe, keine Gefahr.
- „Eine fallengelassene oder umgekehrte Karte ist ein schlechtes Omen." Es ist nur eine Karte; erst der Kontext gibt ihr Bedeutung.
- „Tarot sagt eine feststehende Zukunft voraus." Tut es nicht. Tarot spiegelt Möglichkeiten und regt zum Nachdenken an – die Entscheidungen bleiben ganz bei dir.