Schau, fast jeder Mensch hat irgendwann von fallenden Zähnen geträumt – und fast immer kommt ein solcher Traum, wenn morgen etwas wartet, an dem wir gemessen werden. Die Zähne sind das, womit wir der Welt entgegentreten: unser Lächeln, unsere Stimme, das Gesicht, das wir zeigen. Wenn sie sich lösen, flüstert die Seele eine leise Sorge – werde ich bestehen? Werde ich genug sein, wenn man mich ansieht?
Doch sieh genau hin, wie der Traum erzählt wird. Die Zähne fallen nicht klirrend zu Boden und gehen verloren; sie sinken in die offene Hand. Das ist ein zärtliches Bild. Es sagt: Was du fürchtest zu verlieren, hältst du in Wahrheit längst sicher. Dein Wissen, deine Vorbereitung, all die stillen Stunden – sie sind nicht verschwunden, sie liegen in deiner Hand, dir näher, als die Angst dich glauben lässt.
So ist dieser Traum kein Urteil über das Morgen, sondern ein Spiegel deiner Nacht. Er zeigt nicht, dass du scheitern wirst, sondern wie sehr es dir wichtig ist, nicht zu scheitern. Die Angst, beurteilt zu werden, ist nur die Schattenseite eines hellen Wunsches: dich von deiner besten Seite zu zeigen.
Vielleicht braucht der Morgen also gar keine vollkommenen Zähne. Vielleicht genügt die offene Hand – bereit, das zu zeigen, was du schon trägst.